28. April 2026

Wenn die Uhr kurz stillsteht

Bei den Verabschiedungen von Daniel Gieraths, Lucas Marschall und Torsten Sowa im letzten Heimspiel der TSG Calbe gegen den BSV 93 Magdeburg blieb kein Auge trocken.

Von Tobias Zschäpe

CALBE. Es gehört mittlerweile schon zur Tradition bei der TSG Calbe, dass im letzten Heimspiel der Saison, genauer gesagt in den letzten Sekunden dieses Heimspiels, noch einmal eine Auszeit genommen wird. Schließlich sollen diejenigen, die an diesem Tag zum vorerst letzten Mal auf der Platte in der Hegersporthalle stehen, auch gebührend verabschiedet werden. Und so ließ es sich Trainer Maximilian Weiß am vergangenen Sonnabend nicht nehmen, nach 59 Minuten und 27 Sekunden die Uhr ein letztes Mal mit seiner zweiten Time-out-Karte anzuhalten.

Mit klaren Gesten schickte er Daniel Gieraths, Lucas Marschall und Torsten Sowa vor den Block der einheimischen Fans. Diese applaudierte den Calbenser Fans und bekamen von den prall gefüllten Rängen ihrerseits einen tosenden Beifall zurück. Die eine oder andere Träne in den Augen war dabei nicht zu vermeiden.

Foto: Facebook 1. Männer

Dass diese Auszeit möglich war, ohne die Konzentration im Topspiel Dritter gegen Erster zu verlieren, war dabei dem Spielstand geschuldet. Sechs Tore Vorsprung auf den feststehenden Regionalliga-Aufsteiger BSV 93 Magdeburg hatte sich die TSG Calbe zu diesem Zeitpunkt bereits herausgeworfen. Nachdem die Unparteiischen die Partie dann ein letztes Mal anpfiffen, markierte Max Ammerpohl sogar noch einen weiteren Treffer zum 33:26 stand. Dass die Landeshauptstädter ihren letzten Angriff nicht mehr wirklich ausspielten und der letzte Wurf am Ende mehr ein Pass zu Torwart Leon Dobertin war, zeigte dann auch eindrucksvoll, dass das Duell bereits recht früh entschieden war.

Und so konnten die Feierlichkeiten beginnen. Trainer Weiß stimmte aus der Jubeltraube heraus „Blau-Weiß TSG“ an, was die Zuschauer — vom jüngsten Nachwuchsspieler bis zum Spielervater und -großvater lautstark mitsangen.

Doch ganz wollte Calbes Abteilungsleiter Gunnar Lehmann die Feierwütigen noch nicht entlassen. Der kurze Abschied während des Spiels gegen den BSV war natürlich nicht alles, was sich die Gastgeber hatten einfallen lassen. Drei bis dahin gut versteckte Blumensträuße, Geschenktaschen sowie insgesamt sechs Bilderrahmen wurden in die Halle gebracht und Gieraths, Marschall und Sowa noch einmal nach vorne gebeten.

Zunächst richtete er seine Worte an „die beiden Jungs“, die an diesem Tag ihre Handball-Schuhe an

den Nagel hängten. „Ich möchte Danke sagen für Jahre tollen Handball, mitreißende Momente, so wie heute wieder. Respekt vor eurer Leistung, eurem Werdegang, euren Persönlichkeiten – und aus tiefsten blauen Herzen: Danke für alles“, richtete er Gieraths und Marschall aus. Anschließend bekamen beide ein gerahmtes Trikot und eine Bildercollage überreicht.

Anschließend ging es weiter mit „dem wichtigsten Mann dieser Mannschaft“, so Lehmann. „Was dieser Mann in den letzten Jahren im Backoffice geleistet hat als Betreuer, das kann man nicht in Worte fassen. Torsten, du hast hier Maßstäbe gesetzt, dein Nachfolger tritt in große Fußstapfen: Auch dir

möchte ich danke sagen für viele tolle Jahre mit diesem Team und diesem Verein. Als Betreuer hörst du heute auf, aber du bleibst uns zum Glück erhalten“, sprach er Sowa direkt an. Auch diese Worte wurden mit einer lautstarken Reaktion der Zuschauer bedacht, denen der scheidende Betreuer mit Tränen in den Augen applaudierte.

 

„Respekt vor eurer Leistung, eurem Werdegang und aus tiefstem blauen Herzen: Danke für alles.“

Gunnar Lehmann

 

Und so passte die Stimmung am Ende auch zu einem von Anfang am erfolgreichen Heimspiel gegen den Favoriten aus Magdeburg. Dessen Spieler waren während der Verabschiedungen übrigens in der Halle geblieben und applaudierten den drei Calbensern ebenso wie die heimischen Fans. Ein großes Zeichen von FairPlay, gerade angesichts ihrer zweiten Saisonniederlage.

Die Calbenser ließen unterdessen den Worten ihres Trainers Taten folgen, warfen sich in Halbzeit eins einen deutlichen Vorsprung heraus und sorgten so für zwei weitere Minuspunkte auf dem Konto des BSV. Die Olvenstedter kamen ab der zehnten Minute nie näher als auf zwei Tore heran.

 

Quelle Volksstimme 27.04.2026

 

Dieser Artikel wurde am 28.April 2026 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Männer, Spielberichte abgelegt.


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