10. Juni 2026

„Immer 100 Prozent und mehr“

In seinem ersten und vorerst einzigen vollen Trainerjahr führt Maximilian Weiß die TSG Calbe auf Platz drei und zum Pokalsieg. Ein Rückblick auf die Saison 2025/26.

Von Tobias Zschäpe

CALBE. Es war der Sonntag nach der deutlichen 23:31-Niederlage gegen den BSV 93 Magdeburg, der Maximilian Weiß rückblickend ins Grübeln brachte. „Wenn deine Kinder mit dir reden und du sagst, lasst den Papa jetzt mal in Ruhe, dann läuft irgendwas falsch“, ärgert sich der Trainer der TSG Calbe noch heute über sein Verhalten. „Meine Frau hat mit mir darüber gesprochen und da ist mir klar geworden: An erster Stelle steht die Familie, dann der Job und dann kommt irgendwann der Handball. Alles andere ist der Sport auf unserem Niveau nicht wert“, erklärt er, warum er zur kommenden Saison nicht mehr an der Seitenlinie von Calbes Oberliga-Handballern stehen wird.

Bereits frühzeitig ging er folglich auf TSG-Abteilungsleiter Gunnar Lehmann zu und teilte ihm seine Entscheidung mit. Trainer sein ist ebenso mehr als zweimal pro Woche Training und ein Spiel am Sonnabend. „Ich habe in den letzten knapp zwei Jahren so viel Neues hinter den Kulissen kennenlernen dürfen und ziehe da auch den Hut davor, was im Verein alles geleistet wird. Und ich hatte sehr viel Spaß daran, den kommenden Gegner auszuspionieren, die Spiele vorzubereiten. Aber wer mich kennt, der weiß: Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent und mehr, deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, den Trainerposten abzugeben“, so Weiß weiter.

Eben wegen dieser 100 Prozent wird er die Handball-Schuhe aber nun nicht endgültig an den Nagel hängen, sondern statt mit dem B um den Hals künftig wieder als Spieler auf dem Protokoll stehen. Wie es schon gegen Saisonende das eine oder andere Mal der Fall war. „Meine Frau hat gesagt, hol den klebrigen Ball und die Schuhe wieder aus dem Schrank. Auch sie weiß, dass ich noch nicht ganz loslassen kann. Sie fängt mich ein, wenn es nötig ist. Ohne sie könnte ich meinen Tatendrang gar nicht so ausleben, wie ich manchmal möchte“, schickte Weiß ein großes Dankeschön an seine Melanie.

Und so geht er – zumindest von der Trainerbank zurück auf die Platte – wenn es am schönsten ist. Immerhin coachte er die TSG in einem ihrer erfolgreichsten Jahre, schrieb sich zusammen mit der Mannschaft mit dem HVSA-Pokalsieg unwiederbringlich in die Geschichtsbücher des Vereins. Und auch in der Oberliga fehlte nicht viel zum großen Wurf. Die Niederlage in Staßfurt, die beim HC Burgenland II oder auch die letzten fünf Minuten beim Rückspiel in Gommern, wo wir vorher wie der sichere Sieger aussehen — wäre nur eine Partie davon anders verlaufen, hätten wir die Silbermedaille statt Bronze bekommen“, blickt Weiß zurück.

Ansonsten war es nur noch das Auftaktspiel gegen Gommern so wie das erwähnte Duell mit dem BSV, in dem die Calbenser Punkte liegen ließen. Alles Gegner auf Augenhöhe, weshalb Weiß insgesamt dennoch „unfassbar stolz“ auf das Abschneiden seines Teams ist. Immerhin hatte dieses im Endspurt der Saison 2025/26 bewiesen, dass man auch die Mannschaften, die tabellarisch am Ende vor den Saalestädtern lagen, schlagen konnte. Mit 32:26 gelang die Revanche gegen den Meister und Aufsteiger aus der Landeshauptstadt – und im Pokal-Endspiel auch der langersehnte „erste“ Sieg gegen Eintracht Gommern. „Da brauchen wir nicht drüber zu reden, das war natürlich das absolute Highlight einer sehr guten Saison“, unterstrich Weiß noch einmal.

Es war aber auch eine Saison, die gerade auf der Torhüterposition von einigen unvorhergesehenen Entwicklungen geprägt war. Gestartet mit dem „besten Torhüter-Duo der Liga“, so Weiß seinerzeit, bestehend aus Leon Dobertin und Tino Soutschek, verließ Letzterer Anfang März überraschend den Verein nach nur acht Monaten in Richtung Aschersleben. Doch aus der Not wurde schnell eine Tugend, denn Weiß fragte bei Handball-Rentner Daniel Bertram an, der schnell zusagte, zwischen die Pfosten zurückzukehren. „Ich habe dann nach einem Spiel mit Stefan Wiederhold gescherzt, dass ich ihn zur Not auch noch anrufen werde und der meinte nur: Ich habe Bock“, erinnert sich Calbes scheidender Trainer. Damit war der nächste Rückkehrer gefunden.

„Neben den ganzen Cinderella Storys ist mit Leon manchmal ein bisschen zu kurz gekommen, weil er nie so sehr im Fokus stand. Aber ich habe ihm schon unter vier Augen gesagt, dass er unfassbar wichtig für unsere Saison war“, betont sein Coach. „Leon, Tino, Daniel, Stefan — sie alle gehören zu unserer Geschichte dazu.“ Doch nicht nur sie, auch viele andere künftige Mitspieler überzeugten Weiß beim Blick von der Seitenlinie.

„Die Entwicklung von Vincent Wuwer macht mich unglaublich stolz, er war eine unfassbar sichere Bank von außen. Oder Paul Steffen, der verletzungsbedingt nur eine halbe Saison gespielt hat, dessen spielerische Qualitäten aber über allem stehen und der die Mannschaft in vielen Spielen auf seinen Schultern getragen hat. Und dann ist da natürlich noch Lucas Marschall, den wir kommende Saison kaum ersetzen werden können, der mein Ansprechpartner war und die Jungs aktiv abgeholt hat“, zählte Weiß nur einige auf.

Einziger Wermutstropfen der letzten zwölf Monate war lediglich die Defensivleistung. Während 874 Tore offensiv den ligaweiten Bestwert bedeuteten, waren 711 Gegentore sicherlich auch ein Grund, warum es in der Oberliga nicht noch höher hinausging. „Individuell waren wir da eigentlich besser aufgestellt, aber die Zahlen lügen nicht“, gestand Weiß, der künftig also wieder als Spieler seinen Teil dazu beitragen will, die Calbenser Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. „Ich bin Enrico Lampe sehr dankbar, dass er mir einen Platz in seinem Kader gegeben hat, das ist nach meiner längeren Pause nicht selbstverständlich“, so der 30-Jährige in Richtung seines Nachfolgers. „Die anderen Spieler freuen sich sicherlich erstmal über die aktuelle Pause, aber für mich kann es gar nicht schnell genug wieder losgehen.“ Maximilian Weiß gibt eben immer 100 Prozent. Egal in welcher Rolle.

Quelle Volksstimme 09.06.2026

 

Dieser Artikel wurde am 10.Juni 2026 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Aktuell abgelegt. (aktualisiert: 10.Juni 2026)


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