10. Juni 2024

Star der Saison ist das Team

Auch wenn die Trauer über die verpasste Vice-Landesmeisterschaft überwiegt, zeigen sich die Handballerinnen der TSG Calbe im Nachgang mehr als Stolz über die erbrachte Leistung.

1.Frauen

 

Von Tilman Treue

Was vor knapp zwei Jahren mit einem Kennenlernen begann, hat sich beeindruckend entwickelt. Mit Platz drei und zahlreichen souveränen Auftritten beenden die Sachsen-Anhalt-Liga-Handballerinnen die Saison. Und es ist noch Luft nach oben.

„Das Endresultat, Platz 3, ist akzeptabel und auch eine Steigerung zur letzten Saison [Platz 5 – d. Red.], aber der Verlust der Vizemeisterschaft trübt die Freude darüber doch bei allen ein wenig“, stieg TSG-Trainerin Stefanie Beyer in ihrem Resümee direkt bei einem der ganz wenigen Wermutstropfen der abgelaufenen Saison ein. Zwei Mal lag der Matchball in den Händen der Saalestädterinnen, zwei Mal vergaben sie ihn. „Und so mussten wir Oebisfelde zurecht den Vortritt lassen“, räumte Beyer ein. Vor allem die schmerzhafte 26:28-Heimniederlage gegen den TSV Niederndodeleben II wurmt das Team bis heute. „Die lange Spielpause davor hat uns einfach nicht gut getan“, hadert Kristin Sroka noch immer mit dem Spielplan. Noch mehr sitzt jedoch der zweite Matchball gegen Burgenland II für die Rückraumschützin wie ein Stachel: „Das war für mich das schlimmste Spiel der Saison. Wir gewinnen zu Hause mit elf Toren und verlieren dort mit zweien die Silbermedaille.“

Ärgerlich, wenn so etwas am Ende der Saison im Kopf bleibt, die sich im Rückblick betrachtet als absolut starke Entwicklung zeigt. Mit 643 Toren stellte die TSG den besten Angriff der Liga, in der Defensive (534 Gegentore) mussten sich die Calbenserinnen nur knapp dem Spitzenreiter BSV 93 Magdeburg (531) geschlagen geben. Ein Ergebnis, das nicht nur die Trainerin stolz macht: „Man sieht einen weiteren Schritt in der Entwicklung der Mannschaft. Sie spielten flüssiger, setzten mehr und mehr um, was wir besprochen und trainiert haben, wurde immer mehr zur Einheit und entwickelten sich auch einzeln weiter.“

Rückraum-Spielerin Michelle Feilhaber sieht ebenfalls in diesem immer stärkeren Teamgefühl den Schlüssel: „Es ist allein mit der Mannschaft und Steffi als Trainerin toll so, wie es ist, und hat super viel Spaß gemacht. Jetzt, wo wir richtig zusammengewachsen sind und man das auf dem Spielfeld auch gemerkt hat.“ So zeigte sich die TSG vor allem in knappen Situationen deutlich abgeklärter. Herausragend dabei sicherlich der Sieg in Niederndodeleben nach langem teils deutlichem Rückstand. „Wir haben Spiele gewonnen, die wir voriges Jahr verloren hätten“, ist sich Feilhaber sicher und spricht nicht ohne Stolz von einer Saison der „ersten Male“: „Wir haben zum ersten Mal in Halle gewonnen, zum ersten Mal in Kühnau, haben zu Hause den BSV geschlagen.“ Spiele, die auch ihre Trainerin hervorhebt. Gerade, dass man mit 29:28 den Tabellenführer heim geschickt hat, lässt keiner im Team auf der Liste an Höhepunkten aus. „Ein super erkämpftes Spiel“, so Sroka, die im selben Atemzug den 28:25-Saisonauftakt gegen Oebisfelde anführte: „Das war ein echter Mannschaftssieg, wo jeder für jeden gekämpft hat und von allen Positionen Tore fielen.“

Dennoch fehlte es teilweise noch an der Konstanz im Abrufen aller Potenziale. „Mit mehr Engagement und Enthusiasmus wäre in manchen Spielen mehr drin gewesen“, stellte Beyer fest. Interessanterweise war es gleich mehrfach so, dass Hin- und Rückspiele völlig andere Gesichter zeigten: Oebisfelde, Niederndodeleben, Burgenland, aber vor allem auch Jessen. Ging das Hinspiel mit 28:33 verloren, nahm die TSG ihren Gegner beim neuerlichen Aufeinandertreffen komplett auseinander. „Das hat deutlich gezeigt, was in der Mannschaft steckt, wenn sie alle zu 100 Prozent dabei sind. Eines, wenn nicht das beste Spiel, dieser Mannschaft, in dem so gut wie alles klappte“, schwärmte die Trainerin immer noch.

Mit der Konstanz war es aber allein schon personell mitunter schwierig. Schwer wog der verletzungsbedingte Ausfall von Daisy Richter und Alexandra Pajung. „Das war ein herber Schlag“, stellte Kristin Sroka fest. Mit Christiane Wilke und Melanie Thiele kehrten zur Rückrunde jedoch zwei erfahrene und starke Akteurinnen aus der Zweiten ins Team zurück.

„Ich bin stolz darauf, wie die Mädels alle Probleme wegstecken konnten“, lobte Beyer mit Blick auf die mitunter dünne Auswechselbank, „egal, ob zu acht oder zu vierzehnt, gekämpft haben sie alle bis zur letzten Sekunde, auch wenn es mal nicht rund lief. Auf Kristin Sroka, Michelle Feilhaber und Stevie Mittwollen lastete natürlich offensiv die ganze Last, was sie aber super umgesetzt haben und auch bei jeweiligem Ersatz durch Jessica Hoffmann, Laura Schachner oder Melanie Thiele wunderbar vertreten wurden“, blickte die Trainerin in ihrem Resümee auf die einzelnen Positionen. „Defensiv muss man natürlich Christiane Wilke und Lisa Dasbach ein Riesenkompliment aussprechen. Sie räumen schon einiges weg und helfen auch überall sonst aus.“

Aus ihren Worten wird deutlich, dass der eigentliche Star der Saison das Team selbst ist. „Es ist erstaunlich, wie aus Derbykonkurrenten eine Mannschaft gewachsen ist, die einfach mal oben mitspielt“, brachte es Kristin Sroka auf den Punkt und auch Michelle Feilhaber pflichtete ihr bei, spricht von Freundschaften und einem tollen Teamgefühl. Und mit dieser Stimmung wuchs auch die sportliche Seite immer besser zusammen. „Wir haben eine starke Saison gespielt und in vielen Spielen gezeigt, zu was wir fähig sind“, betonte Feilhaber und ergänzte augenzwinkernd, „wohl niemand hat sich zum Trainingslager vorigen Sommer ausgemalt, dass es der dritte Platz wird.“ Und vermutlich hätte im Traum niemand daran gedacht, dass man sich fast ein wenig über die Bronzemedaille ärgert.

Entsprechend positiv geht der Blick nach vorn, allen voran die Trainerin: „Wir sind mittlerweile ein tolles Team geworden, auch abseits des Handballs und kommende Saison ändert sich glücklicherweise an der Kaderzusammenstellung nichts, sodass ich jetzt schon sagen kann, Ziel muss wieder ein Platz unter den ersten Drei sein.“ – „Wenn wir das, was wir können noch konstanter abrufen, wollen wir auch nächstes Jahr wieder auf’s Treppchen“, unterstreicht Michelle Feilhaber und Kristin Sroka lässt keinen Zweifel: „Ich freue mich schon auf die neue Saison.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Artikel wurde am 10.Juni 2024 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Aktuell abgelegt.


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