3. Januar 2018

Kultort soll wiederbelebt werden

Sporthalle „Zuckerfabrik“ in der Fabrikgasse auf der Prioriätenliste der Landes-Sportstättenförderung

Die Sporthalle „Zuckerfabrik“ in der Fabrikgasse ist zweifellos ein Kultort der Calbenser Sportszene. Im Zuge von Konsolidierungsmaßnahmen gingen im Frühjahr 2016 dort die Lichter aus. Doch jetzt erhielt die Stadt ein „Weihnachtsgeschenk“, mit dessen Hilfe die Halle reaktiviert werden kann.

 

Von Thomas Linßner Calbe •

„Warum fotografieren Sie denn hier?“ fragt ein Mann, der gegenüber der Sporthalle wohnt. „Gibt es etwas Neues?“ Denn wenn sich ein Zeitungsmensch interessiert, könne das nur zwei Dinge bedeuten: Abriss oder Aufbau.

In diesem Fall letzteres. „Wir haben eine kleine Weihnachtsüberraschung bekommen“, strahlt Bürgermeister Sven Hause. Kurz vor dem Fest erreichte ihn die freudige Nachricht, dass die Sporthalle Zuckerfabrik auf der Prioritatenliste für Sportstättenbau gelandet ist. Zwar sei dieser Umstand vom Fördermittelgeber noch nicht schriftlich mitgeteilt worden – Hause hatte es aber über andere „Kanäle“ erfahren.

Besonders das Dach und die Elektrik haben Sanierungsbedarf. Der könnte in diesem Jahr dank der benötigten Investitionssumme in Höhe von 197000 Euro bewältigt werden. Laut Hause handele es sich um eine Drittelfinanzierung: Land, Lot­to, TSG. Wobei letztere 30000 Euro cofinanziert. „Unser Ziel ist, dass die Zuckerfabrik im vierten Quartal wieder genutzt werden kann“, sagt der Bürgermeister. Damit würde die angespannte Sporthallensituation von Calbe deutlich verbessert werden. Sven Hause, der gleichzeitig TSG-Vorsitzender ist, unterstreicht: „Rund 40 Prozent aller Calbenser Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre sind in einer Sportgemeinschaft organisiert.“ Die TSG würde auch die Betriebskosten für die Halle übernehmen, so dass der Stadthaushalt unbelastet bliebe.

 

„Das ist eine ganz tolle Botschaft für uns!“

Abteilungsleiter Gunnar Lehmann

Der Bürgermeister hebt hervor, dass man im Zuge der Fördermittelbeantragung seine Schularbeiten gemacht habe. Zu danken sei in diesem Zusammenhang besonders Ines Schmidt (Bauamt), Marina Sroka, Peter Müller und Gun­nar Lehmann (alle Abteilung Handball). Sie hatten dem Fördermittelantrag detailreich zugearbeitet.

Vor allem freut sich die TSG-Abteilung Handball über den Fördermittelbescheid. „Das ist eine ganz tolle Botschaft für uns“, sagt Abteilungsleiter Gunnar Lehmann. Denn seine Sportler müssen derzeit teilweise zum Training nach Förderstedt oder Groß Rosenburg ausweichen.

Lehmann erinnert sich an Zeiten, als bei Handballturnieren die „Zuckerfabrik“ „brechend voll“ war. Die Enge habe eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. „Manche Zuschauer standen ja nur einen halben Meter vom Spielfeldrand entfernt“, weiß Lehmann noch, der selbst viele Jahre aktiv Handball spielte. Besonders auswärtige Mannschaften seien mit einem mulmigen Gefühl angereist, wenn sie in der „Zuckerfabrik“ gegen Calbe spielen mussten.

Die Sportstätte, die von außen einen eher hässlichen Eindruck macht, erlebte legendäre Momente. So begegneten sich im Februar 1982 die TSG-Calbe und die österreichische Nationalmannschaft auf diesem Parkett. Eine Ehrerbietung an den saalestädtischen Hand­ball, der damals noch nicht so eine schicke Halle wie die am Heger vorweisen konnte. Und: Nach erfolgreichen Jahren in der Liga schaffte die Calbenser Frauenmannschaft von Trai­ner Manfred Miiller 1985 den Aufstieg in die DDR-Oberliga.

Die Sporthalle „Zuckerfabrik“ war am 7. Oktober 1965 eingeweiht worden.

Dieser Artikel wurde am 03.Januar 2018 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Aktuell abgelegt. (aktualisiert: 04.Januar 2018)


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