20. März 2021

„Wollen alle Register ziehen“ Handball- Saisonabbruch kritisch bewertet

Handball: Saisonabbruch kritisch bewertet

Ein Monat ist inzwischen vergangen, seit der Hand­ballverband Sachsen-An­halt (HVSA) mit der Spielzeit 2020/21 die zwei­te Saison in Folge abge­brochen hat. In den Reihen der Vereine stößt diese Entscheidung nicht überall auf Gegenliebe.

Von Michael Jacobs und Tobias Zschäpe

Calbe/Staßfurt • So hätten sich beispielsweise die beiden Sachsen-Anhalt-Liga-Topteams der TSG Calbe und des HV Rot-Weiss Staßfurt eine ande­re Entscheidung gewünscht. Vor allem die Staßfurter, mit großen Oberliga-Aufstiegsam­bitionen ausgestattet, hoffen noch auf ein Umdenken. Deshalb haben sie eine schriftliche Stellungnahme an den HVSA verfasst. Deren Ziel ist ein Überdenken der Aufstiegsregelung.

Sportlich brauchen sich die Bodestädter in dieser Spielzeit nichts vorwerfen zu lassen. Drei Spiele, drei Siege lautete die makellose Bilanz der Staß­furter Handballer um das Trai­nerteam Sebastian Retting und Sebastian Scholz. „Nach einer intensiven Vorbereitung ha­ben wir auch zum Saisonauf­takt Leistung gebracht und un­sere Sache gut gemacht“, hält Retting fest. Das Ziel – der Auf­stieg in die Mitteldeutsche Oberliga – schien keinesfalls utopisch. Und dennoch stehen die Spieler und Verantwortli­chen bei RWS wohl das dritte Jahr in Folge mit leeren Hän­den da.

Der frühzeitige Abbruch der Saison 2020/21 durch das HVSA-Präsidium ohne Aufstei­ger in die Spielklassen des Mitteldeutschen Handball- Verbandes machte alle Hoffnungen zunichte. Oder doch nicht? Bei den Rot-Weissen hofft man noch auf ein Um­denken beim HVSA. „Die Ent­scheidung wurde beim Ver­band ohne Rücksprache mit den Vereinen getroffen. Dort weiß man wahrscheinlich gar nicht, wer überhaupt aufstei­gen will. Das wurde beispiels­weise im Fußball besser ge­löst“, hält RWS-Präsident Pa­trick Schliwa fest.

Anders als im vergangenen Jahr will der Verein die Ent­scheidung diesmal nicht ein­fach hinnehmen. „Letzte Saison gab es einen Aufsteiger und zum Teil waren wir auch selbst daran schuld, dass es nicht der HV Rot-Weiss war, weil wir beim Abbruch einen Punkt hinter Wittenberg standen. Das war sportlich noch zu vertreten“, so Schliwa, für den der Abbruch im Februar vor al­lem eins war: voreilig. „Dass man die Saison 2020/21 nicht regulär zu Ende spielen kann, steht außer Frage. Aber wir ha­ben bis Juli Zeit, bevor die neue Spielzeit frühestens anfangen wird. Da wären sicher Auf­stiegsspiele möglich gewesen.“ Notfalls auch ohne Zuschauer.“ Die Anzahl der aufstiegswil­ligen Vereine aus der Sachsen-, Sachsen-Anhalt- und Thüring­enliga hält Staßfurt Trainer Se­bastian Retting ohnehin für überschaubar. „Neben Spergau und eventuell Calbe sprechen wir vor allem über den SV Hermsdorf, welcher ebenfalls mit Ambitionen auf die Mittel­deutsche Oberliga gestartet ist“, so der Übungsleiter. Aus Sachsen würde potenziell ein weiterer Kandidat hinzukommen. Die Aufstiegsrunde wäre somit überschaubar und in ei­nem kurzen Zeitraum zu absol­vieren gewesen.

Doch dazu wird es nicht kommen, wenn die Entschei­dung des Handball-Landesver­bandes vom 17. Februar beste­hen bleibt. Für Staßfurt wäre das ein „wirtschaftliches und sportliches Desaster“, wie der Verein in seiner Stellungnah­me erklärt.

TSG Calbe will so schnell wie möglich wieder spielen

In den Reihen der TSG Calbe, die sportlich ebenfalls her­vorragend in die Saison gestar­tet war, hat man Verständnis für die Situation beim Ligariva­len. „Ich kann Patrick Schliwa absolut verstehen. Ich weiß aus unseren eigenen Erfahrun­gen, was dahinter steckt, in der Oberliga zu spielen. Des­halb kann ich mir vorstellen, welcher Aufwand dort getrie­ben wurde“, sagt Gunnar Leh­mann, Abteilungsleiter der Calbenser.

Auf einen spannenden Kampf um die Meisterschaft zwischen der TSG Calbe (Maximilian Held/Mitte) und dem HV Rot-Weiss Staßfurt hatten sich viele Handball-Fans im Salzlandkreis gefreut. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Foto: Michael Jacobs

Zum Thema Saisonabbruch sagt Lehmann indes: „Wir mussten die Entscheidung hinnehmen wie alle anderen Vereine auch. Ich habe im Vor­feld auch damit gerechnet, an­dere Verbände hatten es ja schon vorgemacht.“ Gänzlich zufrieden ist man in der Saale­stadt dennoch nicht: „Uns passt das auch nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Saison verlängert wird und man zumindest eine einfache Runde hätte zu Ende spielen können. Allein schon, um den Kampf um die Meisterschaft sportlich auszutragen.“

Auch eine Mitgliederbefra­gung „wäre schön gewesen“, fügt Lehmann an. Dass eine solche Umfrage oder eine Vi­deokonferenz mehrheitlich zu einer anderen Entscheidung geführt hätte, glaubt der TSG- Abteilungsleiter aber nicht. Auch an eine noch kommende Aufstiegsrunde glaubt er nicht. „Dazu bräuchte man mindes­tens vier, besser sechs Wochen Vorbereitungszeit. Ansonsten wäre die Verletzungsgefahr für die Spieler nach der langen Pause einfach zu groß. Teil­nehmen würden wir an einer Aufstiegsrunde aber auf jeden Fall. Allein schon um uns der sportlichen Herausforderung zu stellen“, unterstreicht Leh­mann.

Doch egal ob es dazu kommt oder nicht, in Calbe ist man be­strebt, so schnell wie möglich wieder zu spielen: „Sobald es wieder möglich ist, werden wir diesbezüglich alle Register ziehen. Egal ob Beach-Handball, Turniere in der Hegerhal­le oder auch den Saale-Cup im August, wir versuchen so viel wie möglich zu organisieren.“

Quelle  Volksstimme  20.03.2021

Dieser Artikel wurde am 20.März 2021 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Aktuell abgelegt. (aktualisiert: 20.März 2021)


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