“Gut für mich, schlecht für sie”
Calbes Trainer freut sich über den Derbysieg gegen Schönebeck, sieht darin aber erst den Anfang im Entwicklungsprozess seiner Mannschaft. Die SG Lok Schönebeck trauert den vergebenen Chancen nach.
Von Tobias Zschäpe
CALBE. Es ist selten der Fall, dass die Gästefans in der Hegersporthalle lauter sind als die heimischen. Am vergangenen Wochenende war es aber tatsächlich der Fall. Ein Grund dafür war sicherlich, dass einige Anhänger der TSG Calbe die Auswärtsfahrt mit der Männermannschaft zum HC Burgenland II mit angetreten hatten und so war während der 60 Minuten im Kreisderby der Handball-Oberliga der Frauen definitiv die „Fankurve“ der Elbestädterinnen öfter zu hören. Geholfen hat es der SG Lok Schönebeck am Ende jedoch nicht, sie unterlag der TSG Calbe mit 22:28 (11:15). Während die Gastgeberinnen damit einen verdienten Erfolg feierten, blieb bei den Gästen nach einer enttäuschenden Vorstellung die Erkenntnis, dass deutlich mehr möglich war. „Ein Derby zum Vergessen“, so Lok-Coach Florian Willner.
Ganz anders war die Stimmung bei seinem Gegenüber. „Das war das beste Geburtstagsgeschenk, das mir die Mädels machen konnten“, freute sich Calbes Trainer Frank Falke. Den wichtigsten Baustein für den Erfolg sah er vor allem in der Defensive. Die TSG trat von Beginn an konzentriert auf und setzte Schönebeck damit unter Druck. „Wir haben den Grundstein in der Abwehr gelegt“, so Falke. Die Gäste fanden dagegen nur schwer ins Spiel und leisteten sich zahlreiche technische Fehler.

Zu viele Fehlwürfe
Schönebeck wollte eigentlich mit Leidenschaft, Kampfgeist, Intensität und Emotionen in das Derby starten. Davon war zunächst allerdings wenig zu sehen.Nach nicht einmal zehn Minuten lag die SG Lok bereits mit 1:6 zurück. Auch anschließend blieb das Angriffsspiel fehleranfållig, Während gleichzeitig zahlreiche Chancen ungenutzt blieben. Zur Halbzeit führte Calbe mit 15:11. Vor allem die eigene Chancenverwertung wurde für die Gäste zum Problem. Insgesamt 23 Fehlwürfe, darunter fünf vergebene Siebenmeter-Versuche, verhinderten eine Aufholjagd.
Nach der Pause zeigte Schönebeck allerdings Moral. Die Gäste kämpften sich zwischenzeitlich bis auf 19:21 heran und waren wieder in Schlagdistanz. Doch gerade in dieser wichtigen Phase vergab die SG Lok weitere Mög- • lichkeiten. Calbe blieb dagegen konsequenter und zog in der Schlussphase wieder davon. Am Ende stand ein 28:22-Derbysieg für die TSG. Für Falke war der Erfolg zugleich ein Beleg für die Entwicklung seiner Mannschaft. „Man sieht schon, wie sich die Mannschaft entwickelt hat, seit wir sie im vergangenen Jahr übernommen haben“, erklärte der Trainer Abgeschlossen sei dieser Prozess allerdings noch lange nicht. Gerade die vielen jungen Spielerinnen profitierten dabei von der Führung der erfahreneren Akteurinnen. „Die jungen Spielerinnen brauchen die Führung der Erfahreneren und nutzen sie auch gut“, sagte Falke. Gleichzeitig sieht der Calbenser Trainer noch wei- teres Potenzial. „Die Mannschaft hat gezeigt, was sie kann. Das ist gut für mich, aber schlecht für sie“, schmunzelte er. Denn nun gelte es, diese Leistung regelmäßiger abzurufen. In einzelnen Phasen fehle noch der Glaube an die Mitspielerin. „Da müssen wir noch mehr Vertrauen in die Nebenfrau finden“, so Falke.
Reaktion zeigen
Auch Willner erkannte den verdienten Erfolg der Gastgeberim nen an: „Glückwunsch an die TSG Calbe zum verdienten Derbysieg.“ Für seine Mannschaft gelte es nun, die Niederlage schnell aufzuarbeiten. „Jetzt heißt es: Mund abputzen, Fehler aufarbeiten und eine Reaktion zeigen“, forderte der Schönebecker Trainer. Gelegenheit dazu gibt es bereits am kommenden Wochenende. Falke wollte den Erfolg unterdessen noch nicht zu hoch hängen. „Für die Köpfe der Spielerinnen ist er sicherlich schön, aber der Derbysieg bringt uns letztlich auch nur zwei Punkte und keine vier“, betonte er.
Calbe: Josephin Hecker, Merle Valentina Feilhaber (1), Kristin Sroka (9/4), Alicia Reek (2), Fritzi Herzig, Michelle Vivian Feilhaber (3), Pauline Urban (3), Lilly Rose Kauffmann, Greta Sroka (3), Lisa Schmidt (4), Svenja Eitze (3), Romy Farina Engelmann
Schönebeck: Maja Spohn, Vanessa Goldgraebe (2/1 ), Vivien Willner (4), Leonie Kim Ernst, Lena Paula Jaßmann (3), Emelie Möl1er, Mira Sophie Tuchen (4), Cindy Senz (1 ), Milla Assmuss, Pia Eggeling (1), Finja Theile (3/1 ), Annika Schulze, Sarah-Louise Handi, Joan Voigt (4), Lisa Brüggemann, Karolin Schubert
Siebenmeter: TSG 4/6 – SG Lok 2/7
Zeitstrafen:TSG 3 – SG Lok 4
Dieser Artikel wurde am 22.September 2026 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Frauen, Spielberichte abgelegt.



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