10. Januar 2020

„Man sieht enorm, wann wir personell nicht gut aufgestellt waren“

Die Hälfte der Saison liegt hinter den Sachsen-Anhalt-Liga-Handballerinnen der TSG Calbe. Trotz der ordentlichen Platzierung plagen die Saalestädterinnen personelle Sorgen und die Rückrunde dürfte zur kräftezehrenden Aufgabe werden. Volksstimme-Mitarbeiter Tilman Treue sprach mit TSG-Spielerin Kristin Sroka über das vergangenen halbe Jahr, Siege und Niederlagen, sowie die Pläne für die zweite Saisonhälfte.

Kristin Sroka ist eine der Führungsfiguren im Team der TSG Calbe. Außerdem ist sie aktuell auch die treffsicherste Schützin im Team von Trainer Ronald Kampe. | Foto: Michael Jacobs

Volksstimme: Frau Sroka, Ihr Team steht derzeit mit 9:11-Punkten auf dem fünften Platz und führt das recht breite Mittelfeld an. Wie schätzen Sie den bisherigen Saisonverlauf ein?
Kristin Sroka: Das ist eine sehr schöne Sinuskurve. Wir sind mit den zwei Siegen super gestartet und hatten eine Besetzung von 16 Spielerinnen. Nach und nach haben wir uns gut eingespielt, gefunden und der Erfolg war da.

Und dann kam die Derby-Niederlage gegen Schönebeck.
Ja, das war natürlich bitter, gerade weil es ein Derby war, wir immer dran geblieben sind, aber einfach unsere Tore nicht gemacht haben. Und dann zwei Spiele später gleich noch so eine Klatsche gegen Niederndodeleben. Die hätte auch nicht sein müssen.

Dennoch stehen auch solch tolle Erfolge wie der 30:25-Sieg gegen den HSV Magdeburg in der Bilanz. Was war Ihr bisheriger Höhepunkt?
Das war gleich das erste Spiel gegen Oebisfelde. Klar ist es nicht mehr die Mannschaft der vorigen Saison, aber wir sind dort immer mit sehr viel Respekt hingefahren. Schließlich haben sie sich aus der Bezirksliga hochgearbeitet, den Pokal geholt und seitdem immer vorn mitgespielt. Dass es am Ende so klar wurde [34:20 – Anm. d. Red.], war für mich die größte Überraschung der Hinserie.

Sie haben von einer Sinuskurve gesprochen. Zuletzt zeigte diese mit drei Niederlagen in Folge nach unten. Wo lagen die Probleme?
Ich finde, man sieht enorm, wenn wir personell nicht gut aufgestellt waren. Aus beruflichen und privaten Gründen oder auch wegen Verletzungen waren wir zum Beispiel im Pokalspiel gegen Bernburg so wenige, dass Torhüterin Josi Hecker unsere einzige Auswechselspielerin war. Wir hatten dann einfach auch keine Alternativen mehr und so kamen die Ergebnisse gegen Burgenland und Post heraus.

Beide Spiele gingen mit drei Toren verloren. Nach Aufgeben sieht das glücklicherweise nicht aus.
Wir sind eine Truppe, in der jeder seinen Nebenmann schätzt und gerade in solchen Situationen weiß jeder, dass er sich auf den anderen verlassen und ihm vertrauen kann. Und ganz ehrlich, dieser Zusammenhalt ist mir auch ungeheuer wichtig und hat uns über manche schwierige Situation hinweg geholfen. Da sind wir wirklich ein gutes Team.

Dennoch muss einer in der Mannschaft die Tore werfen und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Juliane Gaul lag der Fokus – sicherlich auch der Gegner – spürbar auf Ihnen. Wie gehen Sie damit um?
Ich sehe es eigentlich nicht so. Sicherlich fühlt man sich ein wenig mehr gefordert, aber das kenne ich aus vielen Spielen zuvor auch schon. Und es ist ja nun auch nicht so, dass sich bei uns alles auf den Rückraum oder meine Position konzentriert. Das wäre auch falsch, denn es geht nicht um den einen Shooter, sondern darum, dass von allen Positionen etwas kommt. Sonst sind wir zu ausrechenbar.

Mit dünner Decke geht es auch ins neue Jahr. Welche Ziele hat die Mannschaft für die zweite Saisonhälfte?
Es gibt kein konkretes Ziel im Sinne einer Platzierung oder so. Viel wichtiger ist es, dass sich keiner weiter verletzt oder ausfällt. Wir hoffen alle, dass Jule [Juliane Gaul – Anm. d. Red.] bald wieder fit ist, und auch Antje [Schreiber], bei der es in den letzten Wochen beruflich einfach nicht ging, wieder dazukommt. Wenn alle, die wir haben, da sind, werden wir unsere Spiele auch wieder gewinnen. Da bin ich mir sicher.

Das klingt nach grundsätzlich guter Stimmung.
Ich denke schon, dass wir verdient auf dem fünften Platz stehen und es wäre wirklich schade, wenn wir deswegen abrutschen, weil uns in Spielen, die wir gewinnen könnten und müssten, die Leute fehlen.

Dieser Artikel wurde am 10.Januar 2020 von Tilman Treue veröffentlicht und wurde unter Aktuell abgelegt.


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