Verkrampftheit statt Leichtigkeit
TSG Calbe unterliegt HV Rot-Weiss Staßfurt klar mit 27:32 (11:17)
Mit großer Spannung wurde das Rückspiel der beiden besten Handball- Teams in der Sachsen- Anhalt-Liga zwischen dem HV Rot-Weiss Staßfurt und der TSG Calbe erwartet. Doch Spannung bot die Partie selbst letztlich kaum. Die Gastgeber setzten sich frühzeitig ab und am Ende mit 32:27 (17:11) klar durch.
Von Tobias Zschäpe Staßfurt • Gut 25 Minuten waren im Topspiel der Handball- Sachsen-Anhalt-Liga zwischen Ligaprimus Rot-Weiss Staßfurt und dem Tabellenzweiten TSG Calbe gespielt, da fasste sich Rot-Weiss-Schlussmann Sebastian Schliwa ein Herz. Einen abgewehrten Ball passte er lang auf den schnell nach vorne geeilten Justus Kluge, der das Spielgerät im Sprung annahm und direkt auf Oliver Jacobi weiterleitete, welcher zum 14:8 traf. Es war eine Szene, die den bisherigen Spielverlauf gut zusammenfasste und die heimischen Fans erstmals von ihren Plätzen riss.
„Wir sind schlecht in das Spiel reingekommen und dann von Beginn an hinterhergelaufen. Wir waren nicht bereit“, machte Andreas Wiese, Trainer der Calbenser Gäste, später klar, warum seine Mannschaft – anders als im Hinspiel 14 Tage zuvor – in der Salzland- Sporthalle chancenlos gegen die Staßfurter war. Erst in der sechsten Minute trafen die TSG-Handballer zum ersten Mal, auch weil Schliwa zwischen den Staßfurter Pfosten einen sehr guten Tag erwischte und mit einigen Paraden glänzte. Drei Tore in Folge von Torjäger Maximilian Weiß brachten die Gäste zwar kurz in Front (3:4,11.), doch es sollte die einzige Führung für Calbe bleiben.
Staßfurts Trainer Sebastian Retting beobachtete gemeinsam mit seinem Co-Trainer Sebastian Scholz, dass die RWS- Sieben „von Beginn an das umgesetzt hat, was wir uns vorgenommen haben“. Rettings Trainerkollege hatte dabei für das Topspiel einen ungewöhnlich langen Fahrtweg auf sich genommen. „Er hat Karten für das Final-Four-Tumier um den DHB-Pokal in Hamburg und ist extra für unser Spiel nach Staßfurt gekommen und im Anschluss wieder hochgefahren. Das rechne ich ihm hoch an“, hielt Retting fest. Die insgesamt gut 600 Extrakilometer sollten sich lohnen, denn schon vor der Pause hatten die Bodestädter klar gemacht, dass sie die Platte diesmal mit zwei Punkten mehr im Gepäck verlassen wollten. Mit einem Sechs-Tore-Vorsprung (17:11) wurden die Seiten gewechselt.
Nach Wiederanpfiff ging dann aber kurzzeitig ein Raunen durch die Zuschauerränge. Mit drei Toren in Folge konnten die Calbenser ihren Rückstand zunächst verkürzen, doch Staßfurt bewahrte die Ruhe und schlug selbst mit vier Toren hintereinander zurück. Das kurze Strohfeuer, welches den TSG-Fans noch einmal Hoffnung gemacht hatte, war somit schnell gelöscht. Stattdessen baute die Retting-Sieben ihren Vorsprung nun immer weiter aus.

„Mit unseren Fans im Rücken und der super Stimmung in der Halle haben wir eine starke Leistung abgerufen“, bedankte sich Staßfurts Trainer im Anschluss für die Unterstützung des Rot-Weiss-Anhangs. Dieser konnte beim 28:18 von Jens Osterloh in Minute 46 erstmals über eine Zehn-Tore-Führung jubeln, den die Heimmannschaft bis in der Folge sogar noch ausbaute – 30:19 (49.).
Am Erfolg des Gastgebers zweifelte zu diesem Zeitpunkt längst keiner mehr. Auch wenn die Führung noch einmal schmolz. Weder TSG- Coach Wiese noch Retting wollten die letzten zehn Minuten, in denen Calbe wieder auf fünf Treffer herankam, überbewerten. Staßfurts Trainer erklärte die Gegentore mit den „Wechseln, Zeitstrafen und dem kurzzeitigen Herausnehmen von unserem Torwart, um weiter sechs Feldspieler aufzubieten“. Wiese hatte zudem beobachtet, dass Rot-Weiss „nicht mehr so energisch gedeckt hat“. Am Ausgang änderte sich jedoch nichts mehr.
„Ohne arrogant Klingen zu wollen: Wir waren klar die bessere Mannschaft, ich denke, daran gibt es keinen Zweifel, wenn man das Spiel gesehen hat. Wenn wir mit voller Kraft durchspielen und nicht wechseln, kann es auch ganz deutlich für uns werden“, hielt Retting nach dem Abpfiff fest. Dem konnte und wollte auch Wiese nicht widersprechen. „Statt der erhofften Leichtigkeit habe ich von Beginn an eher eine gewisse Verkrampftheit bei uns gesehen. Staßfurt hat das Spiel verdient gewonnen.“
HV Rot-Weiss Staßfurt: Sebastian Schliwa, Calvin Kleineidam – Steffen Cieszynski (3), Justus Max Kluge (5/1), Falko Nowak, Till Wagner, Robert Reiske (6), Oliver Jacobi (4), Tim Steffen (5/1), Lieven Rach, Martin Strnad (1), Florian Lück, Jens Osterloh (8)
Siebenmeter: 4/2 Zeitstrafen: 6
TSG Calbe: Stefan Wiederhold, Daniel Bertram (1) – Mathias Walther (1), Lucas Marschall (3), Ronny Krause (3), Nils Rätzel (1), Maximilian Kralik (2), Tony Maynicke (2), Maximilian Weiß (5/2), Nils Meyer (1), Martin Sowa (3), Felix Kralik (3), Kevin Reiske (2)
Siebenmeter: 2/2 Zeitstrafen: 4
Quelle Volksstimme 26.04.2022
Dieser Artikel wurde am 26.April 2022 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Männer, Spielberichte abgelegt.




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