6. Mai 2026

Calbe schreibt Pokalgeschichte

Die TSG setzt sich in einem packenden Endspiel gegen den Dauerrivalen Eintracht Gommern mit 24:23 (11:12) durch. Trainer Maximilian Weiß erlebt die 60 Minuten wie im Rausch.

Von Tobias Zschäpe

THALE/CALBE. Die letzten 30 Sekunden sind für Maximilian Weiß nur noch eine verschwommene Erinnerung. Der Trainer der TSG Calbe hatte im HVSA-Pokalfinale gerade eine letzte Auszeit genommen, um Erzrivale Eintracht Gommern die Luft aus der vermutlich letzten Aufholjagd des Endspiels zu nehmen. „Danach bringen wir es irgendwie über die Zeit“, gestand Weiß rückblickend. Als Marvin Panovens letzter Abschluss sechs Sekunden vor dem Ende dann an Leon Dobertins Armen vorbei ins Toraus flog, kannte der Jubel bei Weiß, seinem Team und den zahlreich mitgereisten Fans keine Grenzen mehr. Sie alle stürmten auf den Platz: Auswechselspieler, Betreuer, Familien und Freunde. „Alles, was nach dem Abpfiff passiert ist, waren Emotionen pur. Das war wie im Rausch“, schwärmte Weiß auch noch Tage später.

Kein Wunder, schließlich hatten die Calbenser das wohl größte Fanlager der vier Finalisten im Wettbewerb der Frauen und Männer mitgebracht. Von den offiziell 420 Zuschauern saßen über 100 in blau gekleidete Anhänger auf den Rängen. „Sowas sucht seinesgleichen und hat uns als Mannschaft natürlich abgeholt und nochmal zusätzlich gepusht. Gerade die vielen Familienmitglieder, die dabei waren. Diese extreme Vereinszugehörigkeit ist etwas, was uns von anderen Vereinen unterscheidet“, so Weiß, der sich zwischenzeitlich sogar Sorgen um die Gegenspieler machte. „Wenn du als Gommeraner Abwehrspieler gedeckt hast und dann 80 Leute aufspringen und gleichzeitig ein und dieselbe Person anschreien – das hat Auswirkungen auf den Spielet Aber die Gommeraner-Fans waren mindestens genauso laut und haben ihre Truppe auch nach vorne gepeitscht“, brachte er die einzigartige Atmosphäre auf den Punkt.

Einschüchtern ließ sich von der Kulisse aber keine der beiden Seiten. Von der ersten Minute an schenkten sich beide Seiten nichts. Das dritte Duell der laufenden Saison war damit ein Spiegelbild der beiden bisherigen Aufeinandertreffen in der Liga. Körperlich hart aber Fair gingen beide Seiten zur Sache, auch weil die jungen Schiedsrichter vom SV Irxleben, Fynn Herre und Nils Karpe, diese Spielweise zuließen. „Für ihr Alter hatten sie ein extrem cooles, souveränes Auftreten, haben mit sich reden lassen, haben ihre Entscheidungen erklärt. Und sie hatten ganz wenige Fehlentscheidungen in meinen Augen. Die beiden werden leider Gottes wahrscheinlich nicht lange in unserer Liga pfeifen, die gehören ein paar Ligen höher“, lobte Weiß die beiden Unparteiischen.

So standen über 60 Minuten die beiden Abwehrreihen im Fokus. Ein glänzend aufgelegter TSG-Torwart Leon Dobertin hatte dabei im Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten die Gommeraner Stammformation im Griff, der Mittelblock funktionierte wie geplant. „Gommern stellt aber auch eine richtig geile Abwehr, weshalb wir — für unsere Verhältnisse – nur auf 24 Tore kommen“, zollte Weiß dem Gegner Respekt. Noch wichtiger war ihm aber, gegen den „noch Zweiten“ der Oberliga selbst nur 23 Gegentore zu kassieren. „Das war unser Schlüssel zum Erfolg.“

Dass es kein Torfestival werden sollte, zeigte sich schon beim 11:12-Pausenstand aus Calbenser Sicht. Und nach dem Seitenwechsel wurde es umso mehr ein Kraftakt für die TSG, die mit einigen personellen Engpässen in das Spiel des Jahres gegangen war und zwischenzeitlich nach einem rüden Foul zusätzlich auf Lucas Marschall verzichten musste. Nachdem Calbe das Match bis Mitte der zweiten Hälfte gedreht hatte, riss die Eintracht das Spiel anschließend wieder an sich.

Aber die Partie hatte noch eine weitere Wendung in petto. Weiß nahm mehrere taktische Umstellungen im Angriff vor, durch die seine TSG den Spielstand erneut drehte. Man of the Match war dabei Paul Steffen. „Der Junge war nachher stehend k.o.. Was der 60 Minuten lang im Eins-gegen-eins immer wieder auf die Fresse gekriegt hat, wie er immer wieder Siebenmeter, und Zeitstrafen gezogen hat und damit noch seine Mitspieler freigespielt hat – das kann man gar nicht genug loben“, beobachtete Calbes Trainer. Nach Steffens sechstem Tor zum 19:19 (47.) war für die Schlussphase wieder alles offen.

Die letzten Minuten kürte Weiß dann allerdings zur Felix-Kralik-Show. Der Ersatzmann für den Verletzten Marschall auf halblinks, der krankheitsbedingt selbst angeschlagen in die Partie ging, sorgte mit drei Toren „in einer Phase, in der es für uns nicht gut aussah“ dafür, dass Calbe kurz vor Schluss auf 24:21 vorentscheidend davonzog. „Wie er dann quasi vom Platz gekrochen kommt, war dann schon bilderbuchartig für unsere Schlussphase. In einer Verlängerung wäre es mit den Kräften ganz schön eng geworden für uns“, gesteht Weiß.

Gommern verkürzte in den Schlussminuten noch einmal zum 24:23-Endstand, doch als Calbe die letzten „15 Sekunden Abwehr Wille“ überstanden hatte, von denen sich Weiß laut eigener Aussage („Davon habe ich nichts mehr mitbekommen“) später erzählen lassen musste, fiel alle Anspannung ab und wich reiner Ekstase. „Das waren die puren Glücksgefühle mit unseren Fans — und diesem unfassbar schweren Pokal. Als Daniel Gieraths in mir in die Hand gedrückt hat, musste ich zweimal nachfassen, um das Ding in die Luft zu strecken“, lacht Weiß. Es war der letzte Kraftakt des mehr als gelungenen Pokalendspiels.

TSG Calbe: Dobertin, Wiederhold- Marschall (5), Gieraths (1), Rätzel (2), Mark, Ritscher (2), Steffen (6/3), Wuwer, Borzucki, Wiebe (2), Meyer, Sowa (3), Kralik (3), Reiske.

 

Quelle Volksstimme 05.05.2026

Foto: Björn Richter-Zehle

Fotos: Jan-Leo Braschoss

Dieser Artikel wurde am 06.Mai 2026 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Männer, Spielberichte abgelegt. (aktualisiert: 06.Mai 2026)


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