24. Februar 2026

Handball-Gott trägt rot-weiß

Mit einem Knall endet das Oberliga Kreisderby zwischen Rot-Weiß Staßfurt II und der TSG Calbe. Über den Pfosten erzielt Luca Standthardt den Siegtreffer für die Hausherren.

von Tobias Zschäpe

STAßFURT/PAW. Mario Kutzer misste nach Abpfiff gar nicht, wohin mit seiner Freude, vielen Zuschauern -zumindest denen, die es mit dem Gastgeber hielten ging es nicht anders. Die jüngsten Fans des HV Rot-Weiss Staßfurt sprangen von der Tribüne aufs Spielfeld, als die beiden Unparteiischen Stefan Gräfe und Silvio Heinrich das Kreisderby der Handball-Oberliga zwischen der zweiten Mannschaft der Bodestädter und der TSG Calbe abpfiffen. Die älteren Rot-Weiss-Anhänger bedachten ihre Mannschaft mit Standing Ovations.

Es war schon eine kleine Sensation, was die Besucher in der gegen Ende immer voller gewordenen Salzland-Sporthalle in den 60 Minuten zuvor gesehen hatten. Denkbar knapp gewannen die Staßfurter das Prestigeduell mit 28:27 (17:15) und jubelten nach Abpfiff ausgelassen mit ihren Fans, während die TSG-Spieler mit betretenen Mienen von der Platte schlichen.

„Das Derby gewinnt nicht der Bessere, sondern der, der es mehr will – und das war Staßfurt“, musste Gästetrainer Maximilian Weiß zähneknirschend gestehen. „Bei uns ist so ziemlich alles aufgegangen, auch wenn wir ein wenig Glück mit manchen Schiedsrichterentscheidungen hatten“, gestand sein Gegenüber. „Der Wille war aber auf jeden Fall da, für uns war es ein Kampfsieg“, brachte es Kutzer auf den Punkt.

Den Grundstein für den Sieg legten die Gastgeber schon in der Anfangsphase. Nach nicht einmal fünf Minuten hatte sich Staßfurt II eine 4:1-Führung herausgeworfen. „Wir konnten sie mit unserer aggressiven Deckung zu Fehlern zwingen“, beschrieb Kutzer das Erfolgsgeheimnis. Das sah auch Weiß so. „Wir kommen mental nicht rein ins Spiel, geraten immer wieder in Situationen, in die wir eigentlich nicht kommen wollen“, ärgerte er sich. Und während sie selbst an Staßfurts Deckung scheiterten, bekamen die Calbenser hinten den quirligen Florian Dobritz nicht unter Kontrolle, der die Partie über weite Strecken an sich riss. Die TSG-Abwehr stand in der ersten Halbzeit nicht gut, Calbe kam zudem nicht ins Tempospiel, was eigentlich das Mittel zum Erfolg gegen die Routiniers des HV Rot-Weiss sein sollte. So gingen die Hausherren mit zwei Toren Vorsprung in die Kabine.

Nach der Rückkehr auf die Platte setzte Calbe dann aber zur Aufholjagd an. Schritt für Schritt wurde der Rückstand verkleinert und beim 21:22 (44.) durch Felix Kralik lag Calbe sogar einmal in Führung. „Klar hatten wir auch diesmal eine kurze Verschnaufpause, das ist ganz normal. Aber im Derby bekommst du dann auch noch mal die dritte Luft und beim Jubeln auch die vierte“, lachte Staßfurt Coach Kutzer später. Denn seine Mannschaft drehte den Zwischenstand wieder und legte bis zum Ende selbst vor. Auch dank Luca Standhardt, der auf insgesamt sechs Tore kam, darunter viele wichtige zum genau richtigen Zeitpunkt. „Wir schaffen es nicht, unsere Führung zu halten, und dann geht Luca komplett auf. Ein geiles Spiel von dem Jungen, er macht die entscheidenden Dinger im Derby“, zollte auch Weiß Staßfurts Nummer 65 Respekt.

Einige seiner Abschlüsse waren dabei sinnbildlich für das nötige Glück, das Rot-Weiss an diesem Tag hatte. Immer wieder knallte der Ball erst an den Pfosten und sprang von dort ins Tor. Und auch die großzügige Zeitspielauslegung spielte Staßfurt in die Karten, daraus machte Kutzer keinen Hehl. Gerade in den letzten Augenblicken schenkten zwei Stopp-Fouls der TSG dem Gegner die nötigen Sekunden. „Der Handball-Gott wollte an dem Tag, dass wir gewinnen“, hielt ein auch 24 Stunden später noch euphorischer Kutzer fest, nachdem Standhardt vier Sekunden vor dem Ende den Siegtreffer erzielt hatte.

„Das haben wir nur für dich gewonnen“, richteten die Staßfurter ihrem Trainer aus, der in den kommenden Wochen aufgrund einer OP nicht dabei sein wird. Für die Saalestädter heißt es unterdessen nun, „uns wieder weg vom dritten Platz zu kämpfen und die nächste Möglichkeit zu suchen, oben ranzukommen. Es nützt ja nichts:

Staßfurt Il: Zimnick (7), Standhardt (6), Retting (5), Spadt (3), Dobritz (3), Nowak (2), Rach (2), Loose, Tacke, Tuchen, Krause

Calbe: Kralik (7), Steffen (7), Sowa M. (3), Wuwer (3), Gieraths (2), Meyer (2), Wiebe (2), Borzucki (1 ), Rätzel, Soutschek, Dobertin

Siebenmeter: Staßfurt Il 5/6 – Calbe 4/5

Zeitstrafen: Staßfurt Il 6 – Calbe 5

Quelle Volksstimme 24.02.2026

 

Dieser Artikel wurde am 24.Februar 2026 von Dorle Hädecke veröffentlicht und wurde unter Männer, Spielberichte abgelegt.


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